Schmuck läuft an

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Schmuck läuft an
Es ist ein Moment der Enttäuschung: Sie öffnen Ihr Schmuckkästchen, um Ihr Collier oder den eleganten Silberring anzulegen, doch statt des gewohnten Strahlens des Metalls blickt Ihnen eine matte, dunkle oder gar schwärzliche Oberfläche entgegen. Ja, es ist leider so: Schmuck läuft an – und verliert seine ursprüngliche Schönheit. Wenn Ihnen das gerade passiert ist, gibt es keinen Anlass zur Panik. Denn was viele als Qualitätsmangel missinterpretieren, ist in Wahrheit ein faszinierendes – wenn auch lästiges – Zeugnis chemischer Lebendigkeit und auch ein Echtheitsnachweis des Edelmetalls.

Wenn Schmuck anläuft, reagiert das Metall mit seiner Umwelt. In diesem Ratgeber gehen wir der Frage auf den Grund, warum dieser Prozess stattfindet, welche Rolle Ihre tägliche Routine dabei spielt und wie Sie Ihre Schmuckstücke mit dem richtigen Fachwissen wieder zum Strahlen bringen.

Warum wird Silber schwarz?

Das Phänomen des Anlaufens betrifft vor allem Silber und niedrigkarätige Goldlegierungen. Entgegen der landläufigen Meinung ist es nicht der Sauerstoff allein, der Silber dunkel färbt. Der eigentliche Verursacher ist Schwefelwasserstoff, der in geringsten Konzentrationen in unserer Atemluft vorkommt.

Das Anlaufen von Silberschmuck geht auf eine chemische Reaktion zurück. Bei Kontakt mit Luft entsteht Silbersulfid. Dieser Stoff legt sich wie ein dunkler Schleier über das Metall. Interessanterweise ist dies ein Beweis für die Echtheit des Materials: Nur echtes Silber reagiert auf diese charakteristische Weise.

Diese chemische Reaktion passiert sehr häufig, wenn der Schmuck ungetragen im Schmuckkasten liegt. Aber es kann auch beim Tragen passieren, dass Ihr Schmuck anläuft. Doch warum passiert es bei manchen Menschen schneller als bei anderen? Dies hängt mit dem pH-Wert Ihrer Haut, der Zusammensetzung Ihres Schweißes und sogar mit Ihrer Ernährung zusammen. All diese Faktoren können die Oxidationsgeschwindigkeit massiv beeinflussen.

Kosmetik lässt Schmuck anlaufen

Oft sind es die Produkte, die wir zur Verschönerung nutzen, die unserem Schmuck am meisten zusetzen. Haarspray, Parfums und Bodylotions enthalten oft Inhaltsstoffe, welche die chemische Reaktion beschleunigen. Wenn Sie Ihr Parfum direkt auf die Haut aufsprühen, an der kurz darauf eine Kette reibt, kann dadurch eine unmittelbare Reaktion der Metalllegierung ausgelöst werden.

Ich empfehle daher die goldene Regel der Schmuckpflege: Ihr Schmuck sollte das Letzte sein, was Sie morgens anlegen, und das Erste, was Sie abends ablegen. Geben Sie Ihren Pflegeprodukten mindestens zehn Minuten Zeit, um vollständig in die Haut einzuziehen, bevor Sie Ihre Schmuckstücke anlegen.

Schmuckstücke beim Duschen und Baden ablegen

Eine heiße Dusche, ein entspanntes Vollbad sowie das Schwimmen im See, Meer oder im chlorierten Freizeitbad kann ebenfalls dazu führen, dass Schmuck anläuft. Ich gehöre zu den Frauen, die ihren Echtschmuck nie abgelegt hatten. Bis ich einmal mitten im See voller Entsetzen auf mein Heartbreacker Snowflake Armband blickte – es war lila und schwarz verfärbt, obwohl ich es auch sonst immer anhatte, wenn wir in diesem See schwimmen waren. Es dauerte mehrere Wochen, bis es wieder in alter Schönheit silber glänzte.

Daher meine Empfehlung: Legen Sie Ketten, Ringe, Armbänder und Ohrringe ab – vor allem, wenn es sich um Silberschmuck handelt.

Schmuck läuft an: Warum 750er Gold im Vorteil ist

Es ist ein Irrglaube, dass nur Silberschmuck anlaufen kann. Auch Goldschmuck kann anlaufen. Hierbei spielt der Feingoldgehalt eine entscheidende Rolle für die Oxidationsbeständigkeit. Reines Gold ist chemisch inert – es reagiert nicht.

In einer 333er Goldlegierung befinden sich 66,7 % Fremdmetalle wie Kupfer oder Silber. Diese Beimetalle sind es, die anlaufen. Je höher der Goldanteil (z. B. bei 18 Karat / 750er Gold), desto besser sind die unedleren Metalle durch die Goldatome „geschützt“. Wenn Ihr Goldschmuck also dunkel anläuft, ist dies oft ein Indikator für einen hohen Anteil an Zusatzmetallen, die auf äußere Einflüsse reagieren.

So beugen Sie durch die richtige Aufbewahrung vor

Wie schon erwähnt, ist das Ablegen eine gute Methode, um Ihren Schmuck vor Anlaufen zu schützen. Wenn Sie Ihren Schmuck nicht tragen, hilft die richtige Aufbewahrung dabei, die Oxidation deutlich zu verlangsamen. Ein offener Schmuckständer im Badezimmer ist der größte Feind Ihrer Schmuckstücke. Die hohe Luftfeuchtigkeit in Kombination mit Rückständen von Kosmetikprodukten – insbesondere Haarspray oder Parfum das durch die Luft fliegt und sich absetzt –  beschleunigt die Sulfidbildung dramatisch.

Idealerweise lagern Sie Ihre Stücke luftdicht und getrennt voneinander. Der Schmuckkasten im Schlafzimmer ist dafür geeignet.

Profi-Tipp: Legen Sie ein Stück einfache Schultafelkreide oder ein Anti-Tarnish-Plättchen in Ihr Schmuckkästchen. Die Kreide absorbiert die Feuchtigkeit und Schwefelpartikel aus der Umgebungsluft, bevor diese das Metall erreichen können.

Schmuckglanz fachgerecht zurückholen

Das Anlaufen von Silberschmuck und Goldschmuck lässt sich trotzdem nicht immer vollständig verhindern. Doch es gibt eine gute Nachricht: der Glanz lässt sich wieder zurückholen. Allerdings ist Vorsicht geboten, wenn Ihr Schmuck angelaufen ist.

Häufig wird als wirksames Hausmittel empfehlen, angelaufenen Schmuck mit Zahncreme zu reinigen. Aber gerade aggressive Hausmittel wie Zahnpasta enthalten oft Schleifpartikel, welche die Oberfläche mikroskopisch zerkratzen. Diese feinen Risse führen dazu, dass der Schmuck in Zukunft noch schneller anläuft. Ähnlich verhält es sich mit Mikrofasertüchern oder Zitronensaft.

Nutzen Sie stattdessen spezielle Gold- oder Silberputztücher, die mit schützenden Substanzen imprägniert sind. Bei starken Verschmutzungen empfiehlt sich ein professionelles Ultraschallbad beim Juwelier Ihres Vertrauens – oder zuhause die Schmuckreinigung mit einem Ultraschallgerät. So wird der Glanz wiederhergestellt, ohne die Substanz des Metalls anzugreifen. Ein eigenes Ultraschallgerät für zuhause lohnst sich, weil Sie sich den Weg zum Juwelier und Kosten sparen.

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