Blutdiamanten
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Blutdiamanten – Konfliktdiamanten

Blutdiamanten
Auch, wenn Schmuck noch so schön anzusehen ist, darf man nicht vergessen, dass Edelmetalle wie Gold, aber insbesondere Diamanten ihre Schattenseiten haben. Um die wertvollen Rohstoffe aus der Natur zu entnehmen, wurden Kriege geführt, Menschenrechtsverletzungen begangen und Menschen getötet. Teilweise ist das auch im Jahre 2024 immer noch so (Artikel wurde seit Erstpublikation im Jahre 2012 mehrfach geupdated). Im Besonderen spricht man bei Diamanten aus Sierra Leone von Blutdiamanten oder Konfliktdiamanten.

Blutdiamanten – konfliktbehafteter Diamantenschmuck

Ich muss zugeben: Ich liebe Diamantschmuck. Vielen Menschen geht es ebenso. Natürlich ist ein Diamantring zur Verlobung oder ein Ehering mit Diamantbesatz ein atemberaubend schönes Schmuckstück.

Aber wie kann man sich über Diamantschmuck freuen, wenn es sich bei dem Steinbesatz um einen Blutdiamant handelt!?

Hauptsächlich war es der weltweit größte Diamanthändler de Beers, der durch eine der ersten Marketingkampagnen in den 1940er Jahren mit dem Slogan „A Diamond is forever“ den Verlobungsring mit Diamant etablierte. Mit dieser gelungenen Kampagne trieb de Beers auch die Nachfrage für Diamantringe zur Verlobung sowie Diamantschmuck voran. So etablierte sich der neue Trend von „Diamonds and Gemstone Lovers“ etabliert wurde.

Diamonds are a girls best Friend

Nicht zuletzt auch der Song aus dem Broadway Musical „Blondinen bevorzugt“, in der Musical-Verfilmung von Marilyn Monroe gesungen, verstärkte die Begehrlichkeiten.

Zu jener Zeit gab es noch kein globales Bewusstsein dahingehend, dass hinter der Diamantindustrie ein blutiges Geschäft steckt. Erst im Jahre 1999 wurde durch das britische Rechercheinstitut Global Witness im Zusammenschluss mit dem belgischen IPIS-Institut Druck auf den internationalen Diamantenhandel ausgeübt – ein Vorläufer für den Kimberley Prozess, der wenige Jahre später das menschenverachtende Geschäft der Blutdiamanten bekannt machen und beenden sollte.

Was sind Blutdiamanten?

Die Problematik der Blutdiamanten ist nur wenigen Menschen bewusst, die Schmuck mit Diamanten kaufen. Es werden Steine als Blutdiamanten bezeichnet, wenn Händler Rohdiamanten aus einer Diamantenmine in einem Konfliktgebiet beziehen und sie damit Rebellentruppen und Kriege finanzieren.

Das blutige Geschäft von Diamantenhändlern

Dass Minenbetreiber und Diamantenhändler auch nur im Ansatz nach einer sozialverantwortlichen Philosophie handeln würden, war etwa bis ins Jahr 2000 nicht für möglich zu halten.

Im Mai 2000 wurde durch den sogenannten Kimberley-Prozess der Versuch unternommen, den Verkauf von Blutdiamanten zu unterbinden. Im Juli des gleichen Jahres fand der Weltdiamantenkongress in Antwerpen statt. In der Folge hatte sich die Diamantenindustrie auf einen Selbstregulierungsmechanismus geeinigt. 2003 trat das Abkommen nach dem Kimberley-Prozess in Kraft, der den Konfliktdiamant zur Aufrechterhaltung und Intensivierung von Bürgerkriegen ausmerzen sollte.

Durch staatliche Herkunftszertifikate sollten künftig nur noch konfliktfreie Diamanten gehandelt werden. Doch nach wie vor sind längst nicht alle Diamanten konfliktfrei. Es stellt sich die Frage, was importierende und exportierende Länder tun, um das Abkommen im sogenannten Kimberley Process umzusetzen.

Obwohl sich inzwischen die Situation etwas verbessert hat, klebt auch heute noch Blut an Diamanten weltweit. Viele Diamanten stammen nach wie vor aus Konfliktregionen. Immer noch werden beispielsweise Diamanten der Mine in Botswana gemäß dem Zertifizierungssystem als konfliktfrei in den Weltmarkt gebracht, obwohl es sich um Herkunft aus einer nicht konfliktfreien Diamantmine handelt.

Was hat es mit Blutdiamanten & Konfliktdiamanten auf sich?

Dass man heute von Friedensdiamanten spricht, ist längst keine Selbstverständlichkeit, sondern erst durch das so genannte Kimberley-Abkommen möglich geworden. Weil die Diamant-Minen ohne jegliche soziale Verantwortung die wertvollen Steine schürfen ließen. Häufig wurde der Handel mit Rohdiamanten alleine deshalb betrieben, um mit dem Gewinn kriegerische Handlungen zu finanzieren.

Abbau von Rohdiamanten zur Kriegsfinanzierung

Das Funkeln des Diamanten verzaubert. Durch das Schleifen des Edelsteins entlockt ein erfahrener Diamantschleifer dem Stein seine einzigartige Schönheit. Durchsichtig, fast gläsern, entfacht das Umgebungslicht eine faszinierende Farbenpracht: Das Feuer des Diamanten.

In wunderschönen Farben feuert der geschliffene Edelstein als Diamant oder Brillant mit herausragenden Eigenschaften sein verzauberndes Farbenspiel ab.

Es macht große Freude, diesem einmaligen Farbspektakel im Licht zu folgen. Wer ahnt beim Betrachten oder beim Kauf von Diamanten schon, dass an vielen Steinen Blut klebt und dass potenzielle Kunden für einen besonderen Anlass Diamantschmuck beim Juwelier kaufen, für den Menschen ihr Leben verloren haben!?

Bei Blutdiamanten handelt es sich nicht um rot gefärbte Edelsteine, sondern um Steine, die auch heute noch Menschenleben kosten und unsägliches menschliches Leid verursachen.

Um die begehrten Steine in den Handel zu bringen, werden die funkelnden Schmucksteine in Konfliktgebieten meist illegal geschürft und verkauft. Mit dem Ziel, durch den Erlös aus dem Handel Kriege zu finanzieren und die Armee im Herkunftsland mit Waffen auszurüsten. Doch damit ist die Problematik der Konfliktdiamanten noch lange nicht erschöpft.

Kinderarbeit, Versklavung, Verstümmelung & Mord

Männer, Frauen und Kinder werden von sogenannten Warlords zugunsten des lukrativen Diamantenhandels versklavt, um Rebellen- oder Invasionstruppen, die gegen legitime Regierungen vorgehen, zu finanzieren. Darüber hinaus werden Kindersoldaten eingesetzt, um das blutige Geschäft der Diamantenmine in Konfliktgebieten aufrecht zu erhalten.

Nach wie vor sterben Kinder und Erwachsene. Sie werden als Minenarbeiter und Schürfer oft getötet, wenn sie den Versuch unternehmen, sich ihrer Ausbeutung zu entziehen oder beim Schürfen der Steine versuchen, einen Diamant an sich zu bringen, um diesen zu verkaufen und mit dem Erlös ihre Freiheit zu erlangen.

Bereits seit dem Bürgerkrieg im Kongo sowie an der Elfenbeinküste, im Bürgerkrieg in Angola durch die Unita geführt und im Kongo floriert der Handel mit Konfliktdiamanten. In den 1990er Jahren trieben die Rebellen der RUF (Revolutionäre Vereinigte Front) in Sierra Leone den von Gewalt geprägten Handel mit Rohdiamanten zur Finanzierung bewaffneter Konflikte die Diamantgewinnung voran.

Das Thema Konfliktdiamanten wird in einer Reihe jüngerer Filme thematisiert. Vor allem das Hollywood-Drama ‚Blood Diamond ‚mit Leonardo DiCaprio sorgte 2006 dafür, dass die Thematik ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückte. Im James-Bond-Film ‚Stirb an einem anderen Tag‚ (2002) bezieht sich ein großer Teil der Handlung auf den Schmuggel von Konfliktdiamanten. Ebenso wird die Problematik z.B. im Film ‚Lord of War – Händler des Todes‚ mit dem Schauspieler Nicolas Cage thematisiert.

Kimberley-Abkommen reguliert Diamantenhandel

Die internationale Gemeinschaft unternimmt mit dem Kimberley-Prozess den Versuch, den Handel mit Diamanten zu regulieren und das Geschäft mit Blutdiamanten bzw. Konfliktdiamanten zu unterbinden. Der Versuch, den Diamantenhandel sozial und ökonomisch vertretbar zu gestalten, ist alles andere, als eine leichte Aufgabe.

Während in Europa und anderen modern entwickelten Ländern immer mehr Unternehmen soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit im Sinne von Corporate Social Responsibility in ihre Unternehmensphilosophie integrieren, ist der kontrollierte Diamantenhandel immer noch keine Selbstverständlichkeit.

So stehen nach wie vor einige der großen Lieferanten von Rohstoffen für Schmuck am öffentlichen Pranger; manche Staaten haben es bis heute nicht geschafft, den Anforderungen des Kimberley-Prozesses zu entsprechen. Im Jahr 2014 beteiligen sich immerhin 54 Teilnehmer, die für 80 Staaten stehen.

Herkunftszertifikate gegen Blutdiamanten

Als in den Jahren 1990 bis 1998 Bürgerkriege in Liberia und Sierra Leone das schmutzige Geschäft um Blutdiamanten mehr denn je deutlich machte, erließ der UNO-Sicherheitsrat im Jahr 1998 erstmals ein Verbot über die Ausfuhr von Konfliktdiamanten.

Die herstellende Industrie rund um Schmuck geriet international in Kritik und erlitt massive Umsatzeinbrüche. Nachdem sich die Situation in den Schürfländern nicht verbesserte, kamen erste Gespräche im südafrikanischen Kimberley in Gang, woraus im Jahre 2003 der Kimberley-Prozess zur Regulierung erwuchs.

Mit offiziellen Handelszertifikaten der jeweiligen Landesregierung sollten künftig nur zertifizierte Diamanten gehandelt werden dürfen. Um die soziale Verantwortung im Diamantenhandel zu stärken und die Einhaltung des Kimberley-Abkommens zu gewährleisten, überprüft ein internationales Gremium die teilnehmenden Staaten. Ein weiteres Ziel war es, den Diamantenschmuggel zu unterbinden.

Kritik wird jedoch dahingehend laut, dass einzig die Kontrolle über den internationalen Handel mit Diamanten als Rohstoff nicht ausreichend ist. Kritiker fordern, dass Regresszahlungen von den Verantwortlichen notwendig seinen.

Von Blutdiamanten zu Friedensdiamanten

Mit dem Kimberley-Abkommen soll mehr erreicht werden, als den Handel mit Blutdiamanten zu unterbinden. Vielmehr soll die soziale Verantwortung der angegliederten Länder innerhalb der internationalen Gemeinschaft gefördert werden und zudem der Weg von Konfliktdiamanten hin zu Friedensdiamanten geebnet werden.

Der Diamantenabbau wird immer mehr Frage und Bestreben nach Menschlichkeit, menschenwürdigen Arbeitsbedingungen und der Beendigung kriegerischer Auseinandersetzungen. Schmuck wird somit zur Frage der Moral.

Kunden aus modernen Ländern wollen wissen, woher die Diamanten ihrer Schmuckstücke stammen. Auch, wenn das Kimberley-Abkommen nicht vollständig Blutdiamanten vom Markt verbannen können wird, zeigt sich eine signifikante Verbesserung im Diamantenhandel.

Obwohl nach wie vor Kaufinteresse an Blutdiamanten vorhanden ist und mit Hilfe korrupter Behörden Konfliktdiamanten exportiert werden, zeigt sich doch, dass viele Firmen sich an den Kern des Abkommens halten und bereit sind, soziale Verantwortung zu übernehmen. Selbstverständlich sind wir Schmuckliebhaberinnen ebenfalls gefragt.

Denn es liegt auch an uns gelegen, ob wir Diamantschmuck kaufen, von dessen Diamanten die Herkunft nicht klar ist. Solange über den Schwarzmarkt Blutdiamanten in den internationalen Handel gelangen, sollten wir keinen Diamant tragen, der nicht offiziell per Zertifikat als Friedensdiamant zum Handel freigegeben wurde.

Diamantschmuck kaufen – nach wie vor hohes Risiko

Obwohl mit dem Kimberleyabkommen das Bestreben unternommen wurde und wird, das Schürfen und den Handel mit Diamanten zu regulieren, muss leider auch nach über 20 Jahren festgestellt werden, dass das Geschäft mit Blutdiamanten immer noch floriert.

Immer noch entscheiden maßgeblich die Regierungen aus Konfliktgebieten darüber, ob die Edelsteine konfliktfrei oder konfliktbehaftet geschürft und gehandelt werden. Festzustellen ist, dass ausgerechnet Herkunftsländer durch den konfliktbehafteten Diamantenhandel profitieren und deshalb häufig gegen Verstöße gegen das Kimberleyabkommen beide Augen zudrücken.

Wenn wir Diamantschmuck kaufen, müssen wir uns dessen bewusst sein, dass wir mit jedem Kauf von Diamantschmuck das blutige Geschäft von Blutdiamanten unterstützen und am Leben halten. Ist ein Diamantring oder ein Diamantcollier das wert?

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